Änderungen bei der Kennzeichnung Loser Ware ab Dezember 2014

Ab dem 13.12.2014 müssen die 14 häufigsten Auslöser von Nahrungsmittel-Allergien und -Unverträglichkeiten als Zutat auch bei unverpackter Ware gekennzeichnet werden. Diese Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betrifft Bäckereien, Metzgereien, Frischtheken, Restaurants, Imbisse und ähnliches.

Wie die EU-Verordnung in den einzelnen Ländern  umgesetzt wird, also wie die Allergieauslöser in der Metzgerei, im Restaurant etc. gekennzeichnet werden müssen, wird aktuell durch entsprechende Vorschläge des Ministeriums abgestimmt. Am 8.Juli 2014 wurde der deutsche Entwurf der Umsetzung der EU-Verordnung vom Ministerium vorgestellt. Bis zum 6.8.2014 konnten Änderungsanträge eingereicht werden.

Der DAAB kritisiert den aktuellen Entwurf in vielerlei Hinsicht und sieht eher eine Verunsicherung als eine Erleichterung für den allergischen Verbraucher.

Grundsätzlich begrüßt der DAAB die Zielsetzung und Maßnahmen der EU Kommission und der Bundesregierung den  Gesundheitsschutz  allergischer Verbraucher zu verbessern. Speziell durch die Einführung einer verpflichtenden Allergeninformation bei loser Ware ist es dem Allergiker möglich eine informierte Kaufentscheidung zu treffen. Allerdings ist dies nur möglich, indem Anbieter loser Ware schriftlich dokumentieren, welche der deklarationspflichtigen Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten Verwendung in ihren Speisen und Produkten finden. Diese Aufstellung muss dem allergischen Verbraucher zur Einsicht vor der Kaufentscheidung zur Verfügung steht. Eine rein mündliche Auskunft – auch unter bestimmten Voraussetzungen-, wie sie der Entwurf vorsieht, bietet keinen vergleichbaren Schutz und stellt ohne schriftliche, dem Allergiker zur Verfügung stehenden Dokumentation (Verifizierbarkeit) keine Alternative dar.

Die wichtigsten Kritikpunkte im Einzelnen

  • Dem Verbraucher muss die Allergeninformation immer vor der Kaufentscheidung zur Verfügung stehen und sie muss schriftlich vorliegen. Der Entwurf sieht hier aktuell Ausnahmen vor.
  • Grundsätzlich lehnt der DAAB eine mündliche Information ab. Falls es wirklich dazu kommt und es Ausnahmenregelungen in Form einer mündlichen Information gibt, dann  müssen diese eindeutig begrenzt sein – ohne Interpretationsspielräume wie in dem aktuellen Entwurf. Dieser sieht aktuell eine mündliche Information dann vor, wenn es bei Rezepturen zu einer Abweichungen von einer  „üblicherweise verwendeten Rezepturen“ kommt. Ein Beispiel: Auf der Speisekarte stehen bei Königsberger Klopsen die Allergene Milch und Weizen (Standardrezeptur). Weil das Salz ausgegangen ist, aber noch Selleriesalz in der Küche verfügbar ist, verwendet der Koch dieses, die Klopse enthalten also an diesem Tag zusätzlich Sellerie als Allergen. Hier genügt es nun nach dem aktuellen Entwurf, dass der Kellner einen Gast, der Königsberger Klopse bestellt, mündlich darüber informiert, dass diese an dem Tag auch Sellerie enthalten. Aber das Paradoxe ist, dass die Rezepturänderung in Bezug auf das zusätzliche Allergen schriftlich betriebsintern dokumentiert sein muss und für die Überwachungsbehörden eine gewisse Zeit aufbewahrt wird.
  • Des Weiteren fordert der DAAB eine differenzierte Angabe der Allergene bei der Gruppe der Schalenfrüchte und glutenhaltigen Getreide, damit der Verbraucher weiß, welche Schalenfrüchte und welches Getreide verarbeitet wurde. Im Entwurf ist dieser Aspekt nicht eindeutig berücksichtigt.
  • Der Entwurf sieht weiter vor, die Kennzeichnung von Allergenen auf Speisekarten und -plänen durch eine Fußnotenlösung umzusetzen. Falls es eine Fußnotenlösung gibt, muss es eine deutliche Abgrenzung der Allergene zu den Zusatzstoffen auf Speisekarten mit (falls notwendig) einheitlicher Codierung geben.
  • Für die Sicherheit des Verbrauchers fordern wir eine verpflichtende Schulung für Hersteller und Verkaufs-/ Servicepersonal zum Thema Allerkennkennzeichnung sowie einen schriftlichen Leitfaden zur praxisorientierten, branchenspezifischen Umsetzung. Beides ist aktuell in dem Entwurf nicht vorgesehen.

Der vorliegende Entwurf stellt aus Sicht des DAAB in der aktuellen Fassung eher eine abgeschwächte Form der EU-Verordnung dar und trägt nicht zur Verbesserung des  Gesundheitsschutzes des  allergischen Verbrauchers dar, wie ursprünglich vorgesehen.

Weitere ausführliche Kritikpunkte und die aktuelle Stellungnahme des DAAB, können Sie unter sl@daab.de anfordern.

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