Den „Spuren“ auf der Spur- Forderung nach gesetzlicher Regelung der unbeabsichtigten Allergeneinträge in verpackten Lebensmitteln

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) als größter Patientenvertreter im Bereich Allergien, Asthma und Neurodermitis lud im November unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu einer  Stakeholder-Konferenz  unter dem Titel „Risiko Allergene?“ nach Berlin ein.
Miteinlader war der vom DAAB 2011 zusammen mit Vertretern der Lebensmittelindustrie initiierte „Runden Tisch – Lebensmittelallergien und Allergenmanagement – Lebensmittelindustrie und Verbraucher im Dialog“.
Im Rahmen der Konferenz wurden die aktuelle Situation sowie Lösungsstrategien zur Risikobewertung und Kennzeichnung unbeabsichtigter Allergeneinträge in Lebensmitteln (sogenannten „Spuren“) diskutiert.
75 geladene Gäste aus Politik, Medizin, Ernährungswissenschaft, Lebensmittel-Industrie, Handel,  Analytik,  Lebensmittelüberwachung, Rechtswissenschaft und Verbänden sowie Verbraucher mit Lebensmittelallergien folgten der Einladung und trafen sich zu Austausch und Diskussion. Wichtig für den politischen Impuls war neben der Beteiligung des BMEL, des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch die aktive Teilnahme von Vertretern der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments.

Ausgangslage der Konferenz
Die 14 vorherrschenden Auslöser für Lebensmittelallergien und-unverträglichkeiten müssen auf verpackten Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Seit letztem Jahr sind sie mit Geltung der Lebensmittelinformations-Verordnung auch optisch im Zutatenverzeichnis hervorgehoben. Auf vielen Verpackungen ist darüber hinaus der nicht geregelte, freiwillige „Spuren“-Hinweis zu finden. Der Grund hierfür ist, dass unbeabsichtigte Einträge von Allergenen – aufgrund von Produktionsbedingungen oder Vorbelastungen von Rohwaren – nicht immer ausgeschlossen werden können. Wie mit diesen „Spuren“ umzugehen ist, wann und wie sie zu kennzeichnen sind, wirft sowohl bei allergischen Verbrauchern als auch bei der Lebensmittelindustrie und der amtlichen Lebensmittelüberwachung aufgrund der bislang fehlenden gesetzlichen Regelung noch viele Fragen auf. Für Verbraucher mit Lebensmittelallergien bietet die aktuelle Kennzeichnung keine Grundlage für eine informierte Kaufentscheidung, was dazu führen kann, dass auf der einen Seite ein ungenügender Schutz besteht mit dem Risiko einer allergischen Reaktion oder auf der anderen Seite eine übermäßige Einschränkung der Auswahl verträglicher Lebensmittel, was zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität führt.

Die Ergebnisse: Kurzfristig Sicherheit schaffen – mittelfristig gesetzliche Vorgaben erlassen

Schutz der Allergiker vor ungewollten Reaktionen
In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der Konferenz einig: Ein hundertprozentiger Schutz für alle Allergiker in jeder Situation vor jeglicher Reaktion wird nicht realisierbar sein. Dennoch sollte das Schutzniveau so hoch wie möglich sein und ist gemäß aktueller wissenschaftlicher Daten für einige der Hauptauslöser allergischer Reaktionen – wie Erdnuss, Haselnuss, Milch oder Ei – für 95-99 Prozent der Lebensmittelallergiker möglich. Als ein akzeptierbares Restrisiko wurde nach gemeinsamen Diskussionen aller Beteiligten milde allergische Beschwerden wie Hautjucken, Ausschlag oder leichte Magen-Darm Beschwerden wie Übelkeit angesehen.  Als absolut inakzeptabel werden alle Therapiebedürftigen Reaktionen angesehen.

Art und Weise der Kennzeichnung
Aktuell wird der freiwillige Hinweis auf unbeabsichtigte Allergeneinträge von  Herstellern unterschiedlich auf Verpackungen kommuniziert: „Kann Spuren von … enthalten“,  „wird in einem Betrieb hergestellt, der auch …verarbeitet“, „auf der Produktionsanlage werden auch … verarbeitet“ und ähnliches. Dies bringt viel Verunsicherung beim Verbraucher und lässt Raum zu Interpretationen bezüglich des Risikos, obwohl alle Sätze das Gleiche meinen, da Untersuchungen von Lebensmitteln gezeigt haben, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Wortlaut und einer geringeren oder größeren vorhanden Allergenmenge gibt. Der DAAB fordert eine einheitliche Regelung unter Verzicht  auf den missverständlichen Begriff „Spur“, da die Einträge die Menge einer Spur bei weitem übersteigen können. Eine Forderung, die mit auch von Seiten der Industrie zeitnah umsetzbar wäre.

Ein weiterer Wunsch der allergischen Verbraucher besteht darin, auf einer Verpackung besser erkennen zu können, welches Unternehmen ein aktives Allergenmanagement betreibt. Unsicherheiten bestehen nach Aussage betroffener Verbraucher insbesondere dann, wenn ein Lebensmittel ohne Spurenhinweis in Verkehr gebracht wird. Dann nämlich sei unklar, ob das Unternehmen nach durchgeführter Risikobewertung auf einen Spurenhinweis verzichtet oder ob eine Risikobewertung gar nicht erst stattgefunden hat. Als Lösungsmöglichkeit wurde diskutiert, die Unterzeichnung der Zehn-Punkte-Charta des DAAB zum Allergenmanagement zu nutzen.

Schwellenwerte und Analytik
Die Veranstaltung schloss mit einem klaren Signal an die Politik, gesetzgeberisch aktiv zu werden, Neben kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen zur Kennzeichnung sollten Mittel zur Verbesserung der Analytik bereitgestellt werden und mittelfristig am akzeptierbaren Risiko orientierte, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Schwellenwerte festgelegt werden als Grundlage zur Bewertung dieses Risikos.

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