Neue Heilungschancen bei Erdnuss-Allergie?

Leider nein, aber eine neue Therapie kann die Symptome einer Erdnuss-Allergie deutlich reduzieren und den Eltern die Angst vor schweren allergischen Reaktionen nehmen. Wann es in Deutschland soweit ist, ist noch nicht absehbar.

Während 20% der Kinder eine Allergie auf Kuhmilch oder Hühnerei behalten, bleibt eine Allergie auf Nüsse und Erdnüsse bei rund 80% der Kinder bestehen. Neue Therapieansätze sind dringend gefragt. Gegenwärtig gibt es zwei vielversprechende Vorgehensweisen, so dass zumindest eine kleine Menge Erdnuss vertragen wird, ohne dass eine schwere allergische Reaktion stattfindet.

Aus der Forschung

Eine untersuchte Therapie stellt die Orale Immuntherapie dar (OIT) dar. Hierbei wird versucht, den Körper langsam an das Allergen zu gewöhnen, indem das Allergen „oral“, also über das Essen aufgenommen wird. Die neusten Ergebnisse zur Phase-III-Studie PALISADE wurden nun veröffentlicht. In Europa und Nordamerika nahmen 66 Zentren teil, darunter die Uniklinik Frankfurt und die Charité – Universitätsmedizin Berlin. Über 490 Kinder mit einer klinisch relevanten Erdnussallergie im Alter von vier bis 17 Jahren nahmen an der Studie teil. Sie erhielten täglich das Medikament AR101 (Erdnussprotein) als Pulver über die die Nahrung. Die Kinder wurden in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe, die das Medikament AR101 erhielt, und eine Placebogruppe. Vor Therapiestart vertrug kein Kind mehr als 30 Milligramm Erdnussprotein, also circa ein Zehntel einer Erdnuss. Durch die Behandlung mit AR101 kam es innerhalb des Studienzeitraums zu einer Anhebung der Reaktionsschwelle, das bedeutet, dass die Kinder mehr Erdnussprotein vertragen haben, als in der Ausgangssituation. Zusätzlich reduzierte sich der Schweregrad der Beschwerden. In vielen Fällen kam es erst gar nicht zu Symptomen.

Kinder essen glücklich

Zum Abschluss der Studie vertrugen 67 Prozent der Kinder, die täglich das Medikament erhalten hatten, Erdnussprotein von zwei Erdnüssen. In der Placebogruppe, also bei den Kindern die kein Erdnussprotein erhielten, waren es nur vier Prozent. Die Hälfte der Medikamenten-Gruppe vertrug sogar die höchste getestete Dosis von drei bis vier Erdnüssen, im Vergleich zu zwei Prozent der Placebogruppe. Die Nebenwirkungen waren unter der Behandlung gering. Vierzehn Prozent der Kinder mit Medikamentengabe, zeigten allergische Nebenwirkungen, die als mild oder moderat eingestuft wurden.

Das Fazit der Wissenschaftler zu den Ergebnissen der Studie fällt positiv aus. Die Orale Immuntherapie dar (OIT) mit dem Medikament AR101 reduziert die Schwere und Häufigkeit allergischen Reaktion auf Erdnüsse und bietet so einen neuen Therapieansatz in der Behandlung der Erdnussallergie bei Kindern. Zwar ist es keine Heilung, aber die Reduktion der Beschwerden und das Anheben der Reaktionsschwelle bringt den Familien mehr Sicherheit im Umgang mit der Allergie und steigert die Lebensqualität.

Was nun jeden interessiert, wann können wir in Deutschland mit dem Medikament rechnen? Die Einreichung der Zulassung dieser Arznei bei der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) ist für Ende 2018 geplant, die Einreichung bei der europäischen Behörde (EMA) für die erste Jahreshälfte 2019. Das bedeutet, dass wir uns in Deutschland noch etwas gedulden müssen.

Eine weitere Möglichkeit bietet die epikutane Immuntherapie (EPIT). Hierbei wird ein Pflaster, das eine winzige Menge Erdnusseiweiß enthält, auf die intakte Haut an Rücken oder Arm geklebt und zwar jeden Tag ein neues Pflaster (ein Pflaster pro 24 Stunden). Unter dem Pflaster sammelt sich Wasser, welches aus der Haut verdunstet ist. Dieses Wasser verflüssigt das Erdnusseiweiß. Die Haut unter dem Pflaster ist aufnahmefähiger und das Erdnusseiweiß kann in die Haut eindringen. Es wird von Zellen aus der obersten Hautschicht umschlossen und zu den Lymphknoten befördert, so dass das Allergen nicht in den Blutkreislauf gelang. Diese Art der Allergenaufnahme scheint für den Patienten mit weniger Nebenwirkungen verbunden zu sein. Aktuell laufen dazu weitere Studien mit größeren Patientenzahlen. Die Kinder sind im Alter zwischen ein und drei Jahren (EPITOPE-Studie).

Einen ausführlichen Artikel zu diesem spannenden Thema finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe „Allergie konkret“ 2/2018. Jetzt anfordern unter info@daab.de

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