Prävention von Allergien – Erhaltung vorhandener Toleranz !

Haut- und Blut-Testungen auf spezifische IgE-Antikörper können Hinweise auf relevante Lebensmittelallergien geben. Gemieden werden sollten aber nur die Lebensmittel, die auch tatsächlich klinische Reaktionen wie beispielsweise Kribbeln auf der Zunge, Atembeschwerden, Erbrechen oder Hautreaktionen auslösen. Viele Patienten meiden jedoch auch Lebensmittel, die positiv getestet wurden, aber bisher immer vertragen wurden, dies bedeutet nach dem Verzehr gar keine Reaktionen auslösen.

Der DAAB befragt hierzu Frau Dr. Imke Reese, Ernährungswissenschaftlerin aus München:

DAAB: Wie ist dieses Meiden zu bewerten?

Dr. Reese: Die Diagnose „Lebensmittelallergie“ gilt erst dann als gesichert, wenn Be­funde und Klinik (also Beschwerdebild) zusammenpassen. Fälschlicherweise wird oftmals bereits von einer Allergie ausgegangen, wenn lediglich positive Testbefunde vorliegen. Bei letzteren handelt es sich lediglich um den Nachweis einer vorhandenen Sensibilisierung. Der Begriff „Allergietest“ ist folglich verwirrend und müsste korrekt „Sensibilisierungstest“ heißen. Werden Lebensmittel trotz positivem Testergebnis ohne Probleme (reaktionslos) vertragen, sollten diese unbedingt weiter im Speiseplan bleiben.

DAAB: Welche Gefahren gehen von einer vorsorglichen Meidung aus?

Dr. Reese: Mit dem heutigen Wissen kommt dem Er­halt einer bestehenden Toleranz vor allem bei bestehender Sensibilisierung (s.o.) eine besondere Bedeutung zu.Werden bisher problemlos tolerierte Lebensmittel über eine längere Zeit konsequent gemieden, kann sich aus der bestehenden – bisher stummen – Sensi­bilisierung eine klinisch relevante Allergie entwickeln. Die Ergebnisse der LEAP-Studie haben beispielsweise gezeigt, dass die Manifestation einer Erdnussallergie durch regelmäßigen frühzeitigen Ver­zehr von Erdnüssen verhindert wer­den kann. Dies zeigte sich vor allem bei den Kindern, die bereits eine – stumme, also nicht klinisch relevante – Erdnuss-Sensi­bilisierung (im Hauttest) aufwiesen. Wurde Erdnuss hingegen konsequent gemieden, manifestierte sich bei einem Drittel der sensibilisierten Teilnehmer eine Erdnussallergie.

 DAAB: Man kann eine Allergie also durch das vorsorgliche Meiden von verträglichen Lebensmitteln herbeiführen?

Dr. Reese: Das Risiko besteht. Insofern sollten diagnostische Auslassdiäten nur in Zusammenhang mit allergologisch versierten Ernährungsfachkräften durchgeführt werden und nur für einen klar defi­nierten Zeitraum – in der Regel bis zu zwei Wochen. Keinesfalls sollte eine längerfristige Meidung aus Unsicherheit oder falsch verstan­dener Vorsicht erfolgen. Eine Auslassdiät ist längerfristig nur bei einer klinisch relevanten Lebensmittelallergie notwendig, dann allerdings im Rahmen einer Ernährungstherapie die Grundlage therapeutischer Maßnahmen. Nach einer reaktionslosen Provo­kation müssen Allergiker darin be­stärkt werden, das Lebensmittel zukünftig regelmäßig zu verzehren.

Frau Reese, vielen Dank für diese Informationen!

Sensibilisierung

im Haut- oder Bluttest nachweisbare spezifische Antikörper, die das Immunsystem bei Kontakt mit einem harmolsen Stoff, z.B. Milch bildet. DIese spezifischen Antikörper IgE werden im Allergietest nachgewiesen (Sensibilisierungstest)

Allergische Reaktion

Eine Allergie ist es erst, wenn eine Nachweis spezifische Antikörper vorliegt plus reproduzierbare klinische Symptome nach dem Verzehr wie tränende Augen, Kribbeln auf der Zunge, Hautauschlag, Erbrechen, anapohylaktische Reaktion, etc.

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